ownsx // folge 22

Willkommen,

ich hoffe, der Newsletter trifft Sie zur Hälfte des November-Lockdowns in einigermaßen guter Verfassung an.

Manchmal hilft ja der Fokus auf Nebensächlichkeiten, ich mache das gleich mal vor: Seit der ersten Ausgabe dieses Newsletters nerven – sicher nicht nur mich – die unregelmäßigen Zeilenabstände. Ich kann nur sagen: Es ist vorm Versenden nicht sichtbar. Und ich ärgere mich jedes Mal darüber. Sehen Sie’s mir nach; und hoffen wir auf Substack-Layout-Neuerungen. Irgendwann. Andererseits: gibt Wichtigeres.


Noch mal fix zwei Sätze zur Erklärung:
Der Newsletter von ostwestnordsuedx zieht alle zwei Wochen einen Strich – und packt Beiträge rund um Ost/West zusammen, die in den +/-14 Tagen zuvor aufgefallen sind. Damit sich nicht alles versendet. Als eine Art temporäres Archiv.

Was die geplante Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen auf ostwestnordsuedx.de (Was das sein soll? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) angeht:
Als Alternative für physischen Tausch: Bieten Sie Ihre Perspektive an – und finden jene Einblicke, die Ihnen im Blatt, in der Sendung, im Heft, auf der Seite fehlen:
hier direkt zum Suche/Biete-Formular!
Ums leichter weiterzusagen:
https://tinyurl.com/ownsx-tauschformular


Und jetzt mehr aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen.

Los geht’s:


// Lesen

Fangen wir mit dem 9.11. an:

Rede von Reiner Haseloff: “Gemeinsam Zukunft formen”, Bundesrat

– Der sachsen-anhaltinische Ministerpräsident übernahm am 6.11. die Bundesratspräsidentschaft – und weil’s passend vor dem Jahrestag des Mauersturzes lag, hat er seine Rede natürlich inhaltlich darauf ausgerichtet. Unter anderem sagte er das:

“Hinter uns liegt eine enorme Aufbauleistung. Bis heute prägt diese großartige Erfolgsgeschichte zu wenig unser Selbst- und Geschichtsbewusstsein.”


Streitgespräch: “Ich will nicht gesamtdeutsch denken”, Berliner Zeitung

– Mit Philipp Rubach von “Aufbruch Ost” und der CDU-Politikerin Ottilie Klein trafen zwei Rund-um-die-Wende-Geborene aufeinander, einer aus Weimar, eine aus Villingen-Schwenningen (moderiert von Susanne Lenz, Max Ohlert). Ihre verschiedenen Standpunkte zum Nachlesen – hier.


Analyse: “Der ewige Zweite”, SZ

– Ulrike Nimz hat sich die Wirtschaftsstatistiken und Studien mal genauer angeschaut. Und mit jenen gesprochen, die in Ostdeutschland Teil der Wirtschaft sind. “Die guten Nachrichten aus dem Osten - man findet sie oft noch im Kleinen, jenseits der Statistiken”, schreibt Nimz.


Interview mit Alexander Leistner: “Jenseits vom Jammerossi”, ND.Der Tag

– Wieso sich “Querdenker” auf den DDR-Widerstand beziehen, erklärt der Leipziger Kulturwissenschaftler Leistner im Gespräch mit Fabian Hillebrand.


Kulturkritik: “Der schlimme Bundesstaat”, SZplus

– Peter Richter hat in der langen US-Wahl-Auszählwoche ein Stück über Florida geschrieben – und stellt die These in den Raum, Florida sei das Ostdeutschland der USA (hinter der Paywall). Protest gab’s genug, von Kolleg:innen und aus der Politik


… und hier …

Die Replik: “CSI Mecklenburg”, SZ

– Cornelius Pollmer leitete seinen Beitrag zur Debatte so ein:

“Weil Ostdeutsche unter allen Menschen mit Abstand die undankbarsten sind, war im Internet gleich wieder viel los, beschämend, geht's noch, und so fort. Die Lage ist also so: Früher wurde der Osten mit dem Kaukasus verglichen oder wenigstens mit Nordböhmen und klagte nicht - jetzt versteht er nicht einmal mehr das nicht nur an Sonnenschein reiche Florida als Referenz. Was soll man da noch schreiben?”


In dem Zusammenhang passt auch das:

Twitter-Debatte: Über Sachsen – und Blicke auf Sachsen

– Hier eine mehrteilige Diskussion zwischen Jana Hensel und Hasnain Kazim (und anderen) über Blicke auf Ostdeutschland, Verallgemeinerungen – und den Plan, mal gemeinsam nach Dresden zu fahren:


… und natürlich das:

Überblick: “Ostdeutschland in den Medien”, MDR

– Die Redaktion von “360G Medien” hat einen ganzen Trumm an Beiträgen zum Thema zusammengestellt – Recherchematerial für Wochen. Mit Datenanalysen, Interviews mit Mareike Riemann und Martin Machowecz und einem hervorragend ausführlichen Teil, der den Wandel der ostdeutschen Presselandschaft ab 1990 erklärt.


Portrait über Gerd Danigel: “Ostberlin und seine Sehnsüchte”, Tagesspiegel

– Der Photograph Gerd Danigel ist einer dieser Menschen, den garantiert sehr viele kennen, ohne es zu wissen. Wie wunderbar, dass Robert Ide ihn endlich portraitiert hat – diesen freundlichen, zurückhaltenden Mann, der auf dem Mauerparkflohmarkt seit immer seine Photos verkauft (bei mir hängen auch einige). Einen beeindruckenderen Blick auf das Vorwende-Ostberlin muss man sehr lange suchen. Hier das Portraithier ein Überblick auf seine Bilder, seine Photobände (alles auch zu kaufen übrigens).


Essay: “Wandmänner”, SZ-Magazin

– Der Kleinmachnower Martin Ahrends über verschiedene Männerrollen hier wie dort. Und wie’s kommt. Was die Ost-Jungs seiner Meinung in dieser Hinsicht geprägt hat, zeigt sich auch in Kinderliedern (hier zum Nachhören) – das hier zitiert er:

"Wenn Mutti früh zur Arbeit geht, dann bleibe ich zu Haus. / Ich binde eine Schürze um und feg die Stube aus." Wir Jungs sollten lernen, brav zu sein, friedfertig. Manches Männerbild, das wir morgendlich in der Schule sangen, haben wir höhnisch verlacht, wussten aber auch, dass wir so nicht sein durften wie die Westjungs, Cowboys mit Jeans und Lasso.

… dazu passt auch dieser 11-Minüter “Jung, männlich, ostdeutsch”.


Feature: “Die Enkelgeneration stellt die Fragen, die sich die Älteren nicht zu stellen trauen”, jetzt

– Marcel Laskus geht der Frage nach, warum immer mehr junge Menschen die Stasi-Akten ihrer Angehörigen einsehen wollen.


Portrait über Inge Rapoport: “Das Kind nicht mit dem Bade ausschütten”, bpb

– Ausführlich und nah schreibt Charlotte Misselwitz hier über die Pädiatrie-Expertin, die in den 50ern mit ihrer Familie in die DDR gezogen war.


Bezirksportrait: “Friedrichshain und Kreuzberg: die Kiez-Zwillinge”, Berliner Zeitung

– Wie diese beiden Berliner Bezirke, die politisch 1 Bezirk sind, durch die Ost/West-Vergangenheit geprägt sind, erzählt Hanno Hochmuth hier.

Zeitenwende-Serie: “Warum Gethsemanekirche und Nikolaikirche für die deutsche Identität wichtig sind”, Berliner Zeitung

– Rainer Eckert und Ilko-Sascha Kowalczuk schreiben über Symbolorte der Demokratie: und zwar jene im Osten.


Reportage: “Warum ist das DDR-Exemplar dicker?”, Zeit

– Jana Hensel schaute sich den Einheitsvertrag noch mal an, also beide Versionen. Schon zum 3.10. erschienen, hier nachgeliefert.


Interview mit Harald Jäger: “Ich habe nur das Menschliche getan”, taz

– Ist schon von 2013, aber diese 4 Seiten passen immer wieder zum 9. November: "Den Schlagbaum öffnet man nicht selbst: Dazu gibt man den Befehl”, erklärt der Ex-DDR-Grenzschützer im Gespräch über seine entscheidende Nachtschicht an der Bornholmer – und das Danach.


Interview mit Daniel Kubiak: “Die Unterrepräsentanz von Ostdeutschen in den Eliten ist hanebüchen”, Super-Illu

– Der Sozialwissenschaftler Kubiak hat den Super-Illu-Fragebogen “So sehe ich das mit der Einheit” ausgefüllt.


Interview mit “Sorry 3000”: “Zuerst der Gedanke, dann die Musik”, ND.Der Tag

– Wer mehr über die Hallenser Band wissen will, kann sich ja zum einen das Gespräch mit Frank Leiden und seine Perspektiven auf Ost-Provinz-Perspektiven durchlesen – und zum anderen hier mal reinhören.



Neue Kolumne: “Bei uns heißt das Polylux”, MDR Kultur

– Valerie Schönian schreibt für “MDR Kultur” über Ost/Westdeutsches, mit Alltagsperspektive. Hier die neueste Folge, hier die Folge “Corona und der westdeutsche Blick”, hier Teil 1 “Wenn es die Wende nicht gegeben hätte”.


Neuere Bücher:

– Thomas Großbölting: “Wiedervereinigungsgesellschaft Aufbruch und Entgrenzung in Deutschland seit 1989/90”, bpb 2020, 4,50 Euro. (Hier ‘ne Leseprobe.)


// Sehen

Serien, Filme: aus Osteuropa, ARD

– Dank MDR gibt es seit 10.11. eine ganze Ladung osteuropäische Filme und Serien in der ARD-Mediathek. Aus Polen, Tschechien, Georgien, Rumänien und Russland, darunter die polnische Serie “Wasteland” und Andrzej Wajdas „Korczak”. Hier gibt’s die ganze Liste.


TV-Doku: “Wendemorde”, ZDF

– Der ZDF-History-Film portraitiert Männer, die zur Wende im Gefängnis saßen – und erzählt, wie sie freikamen.


TV-Doku: “Echte Leben”, ARD

– Geboren am Tag, als die Mauer fiel: über die Kinder – und ihre Eltern. Hier geht’s zum Film.


TV-Doku: “Anarchie im Osten”, ZDF

– Das letzte Jahr der DDR – zusammengefasst in einer Dreiviertelstunde. Hier.


Ringvorlesung-Stream: “Berliner Weltliteraturen”, FU Berlin

– Für das kommende Wintersemester gibt’s dienstagabends Vorträge über “Internationale literarische Beziehungen in Ost und West nach dem Mauerbau”, gestreamt wird’s im Livestream. Am 17.11. spricht etwa Bernadette Grubner über das internationale Kolloquium des Schriftstellerverbands 1964 in Ost-Berlin. Das ganze Programm: hier.


// Hören

Zeitreise mit Postkarten” (MDR Kultur, 4 Minuten)

Rezension des Bildbands “Gera ostmodern” – samt Photos in der Onlineversion. Zusammengestellt vom 1990 geborenen Photographen Christoph Liepach, getextet von Ben Kaden. (Buch hier; momentan ausverkauft).



Westdeutsch als Norm, ostdeutsch als Sonderfall” (DLF Kultur, 28 Minuten)

– In seinem Feature ging Johannes Nichelmann der Frage nach: “Was oder wer macht einen zum Ossi?”. Mit Antworten von Jakob Augstein, Josa-Mania Schlegel, Katrin Göring-Eckardt, Sonja Vieten, Jana Hensel und anderen.


Der beobachtete Beobachter” (DLF Kultur, 35 Minuten)

– Ein ausführliches Interview mit Agentur-Ostkreuz-Gründer Harald Hauswald – anlässlich seiner Ausstellung in der c/o-Berlin. Gute Überbrückung, solange man seine Retrospektive (läuft laut Plan bis 23.1.) nicht besuchen kann.


// Machen

Sich in die #ownsx-Austauschbörse eintragen: und zwar hier!

– Das Motto für mehr andere journalistische Perspektiven für alle Redaktionen ist: “Suche Ost, biete West” oder “Suche West, biete Ost”.

Und klar, ne, gerne weitersagen!


Buchpremiere streamen:

– Am 23.11.: Jana Hensel und Naika Foroutan stellen ihr “Die Gesellschaft der anderen” in der Schaubühne vor. Hier alle Infos zum Livestream.


Engagieren:

– Die Kolleg:innen von DritteGenerationOst haben zum 9.11. einen Aufruf gestartet:


// Und der Rausschmeißer

US-Wahl-TV-Wochen-Huch

– Und auf einmal war da Mecklenburg. (Vorläufiges Ergebnis hier)


So. Habe ich was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

Folge 23 des #ownsx-Newsletters erscheint am 30. November.
Gute Nerven! Und genug Herbstsonne Ihnen allen.

Wer sich in die Newsletterliste eintragen will, bittschön, das geht hier:

… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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