ownsx // folge 1


Wir teilen etwas bei Twitter, schicken es anderen per Email oder DM, bookmarken es uns für später – und doch: Es fließt davon. Texte, Radiointerviews, Filmtrailer, Podcastfolgen über Ost/West-Blicke, neue Debatten, neue Facetten.

Nun, da die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen und die erste Runde Jubiläumsfeierei zu 30 Jahren Ost/West rum sind, und damit die geballte Ladung Aufmerksamkeit, lichtet sich die Lage: So viel von all den Stücken, Beiträgen, Schnipseln ist irgendwo, klar, wissen wir ja.

Aber nicht an einem Ort, gebündelt.

Der Newsletter von ownsx will genau das sein: ein Ort, an dem alle zwei Wochen Dinge zum Thema zusammen gebracht werden. So zum Überblick zwischendurch. Querbeet, von überall. Als eine Art temporäres Archiv.

Und natürlich gibt’s hier auch immer alles zur Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen, die auf ostwestnordsuedx.de entsteht. (Was das ist? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) Aktueller Stand der Dinge: Start ist im ersten Quartal 2020. Was es Neues an Kooperationen etc. gibt, erzählen wir in Folge 2 des Newsletters:

Hier nun aber – in Folge 1 – ein paar Stücke aus den letzten Monaten, die herausstachen, mehr Aufmerksamkeit verdienen. So ein richtiger Jahresend-Rumms mit ein bisschen mehr Stoff. Aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen. Und los:


// Lesen

Interview mit Katarina Witt, ganz großartig

– von Anja Maier und Katrin Gottschalk, taz

“Es kam niemand und hat die Ostdeutschen an die Hand genommen. Unsere Kompetenzen waren nicht mehr gefragt. Die wenigsten waren ja Unternehmer, wir waren eher Macher, so haben wir das gelernt. Wir kamen aus einem Land, in dem – entschuldigen Sie den Ausdruck – aus Mist Bonbons gemacht wurde. Dinge wurden gelöst.”



Statistik: Ostdeutschland in der Presse

– Alle reden über die Berichterstattung über Ostdeutschland – aber wie sieht’s denn in Zahlen aus? Eine fein aufgedröselte Analyse lieferte der MDR. Die Ergebnisse sind irre, hier nur mal eins: Bis 2004 dominierten in Kombination mit “Ostdeutschland” Begriffe wie “Wachstum”, “Modernisierung”, “Aufschwung” – seit 2004 tauchen in der Kombi vor allem “Armut”, “abgehängt” auf.

Umfrage: Ost/West-Gefühle in der “Super Illu

Zum Mauerfalljubiläum gab die Super-Illu eine Umfrage in Auftrag mit bemerkenswerten Ergebnissen. Kleines Beispiel (mehr oben im Bild und hier): Wer ist Ihrer Meinung nach fleißiger? 5 Prozent der Ostdeutschen antworten: Westdeutsche. 8 Prozent der Westdeutschen antworten: Ostdeutsche. 21 Prozent der Ostdeutschen fühlen sich am ehesten als Ostdeutsche – nur 6 Prozent der Westdeutschen vor allem als Westdeutsche. Übrigens: Was die einschlägigen blinden Flecke in der Berichterstattung angeht, schrieb Chefredakteur Stefan Kobus einen bemerkenswerten Kommentar.


Analyse: ”Ihr und Wir”

– Jana Hensel (hier die ganze Leseliste der frisch gekürten Kulturjournalistin des Jahres 2019) in einer brillanten Analyse für die “Zeit” über Ostdeutschland durch die Brille der postcolonial studies:

“Sie sollten sich verändern und letztlich anpassen. Ihr eigener Normenhimmel dagegen wurde plötzlich größtenteils ein fremder. Wie ein übergroßes Zelt spannte sich Westdeutschland nunmehr über den Osten.“



Wunderbarer Nachruf auf Sigmund Jähn und Günter Kunert

– von Anja Maier, taz
… und dazu passend das hier:



Buch: Christa Wolf, Sarah Kirsch: "Wir haben uns wirklich an allerhand gewöhnt. Der Briefwechsel

– In all den Jahren schrieben sich die beiden Autorinnen von Ost nach West und zurück, auch nach der Wende. Wie sich ihre Beziehung wandelte, auch ihr Blick aufeinander und die Politik und Leben hier wie dort: alles drin. Hier gibt’s eine Rezension bei DLF und hier eine Leseprobe (Buch: Suhrkamp 2019, 456 Seiten, 32 Euro).


Buch: Christian Bangel: “Oder Florida”

– Zeit Online-Redakteur Christian Bangel hat 2017 einen Roman geschrieben über eine Nachwendejugend in Frankfurt / Oder – und damit die Geschichtensammlung vorweggegriffen, die er nun im Herbst mit #baseballschlaegerjahre lostrat. (Piper 2017, 352 Seiten, 18 Euro.) (In dem Kontext natürlich der Vollständigkeit halber auch gleich: Daniel Schulz’ Stück “Wir waren wie Brüder”; zum Lesen in der taz, und neu als DLF/RBB-Hörspiel.)


Buch: Valerie Schönian: "Ostbewusstsein. Warum Nachwendekinder für den Osten streiten und was das für die Deutsche Einheit bedeutet

– Schönian war bis 2019 Redakteurin im Leipziger Büro von “Zeit im Osten”. Wer schon mal in ihre andere Arbeit reinlesen oder -hören möchte, hier ist ihr Podcast “Wie war das im Osten?”, hier das Portrait über ihre Großmutter und deren Blick auf ihr Ostleben. Für ihr Buch, das im März erscheint, sprach sie unter anderem mit CDU-Politiker Philipp Amthor und Autor Lukas Rietzschel (Buch: Piper 2020, 288 Seiten, 16 Euro).
(Auch hier, der Vollständigkeit halber, unbedingt: Johannes Nichelmanns “Nachwendekinder” aus dem Sommer 2019.)



// Sehen

Arte-Mini-Serie: über die Photoagentur Ostkreuz

21 Folgen, jedes ein kleines Video-Portrait über eine:n der Photographen:innen der einzigen ostdeutschen Photoagentur, darunter Harald Hauswald oder Annette Hauschild.


Kino-Doku: “Im Stillen Laut”

– Sie sind 81 und seit 40 Jahren ein Paar: Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch leben auf ihrem Kunsthof in Brandenburg – und erzählen in diesem Doku-Portrait davon, wie sie in der DDR um ihre Freiheiten kämpften. Lief beim DOK-Filmfestival in Leipzig im November – und ist der Abschlussfilm der Regisseurin Therese Koppe und ihrer Co-Produzentin Marie-Luise Wagner. Mehr hier auf der Facebookseite des Films.


Kino-Doku: “Der Duft des Westpakets”

– Was für eine herrliche, verzauberte Idee: ein Parfum herstellen, das nach Westpaketen riecht. Dem Inhalt, dem Aufpacken, dem Anderswo. Und damit eine Zeit und einen Raum wachrufen, die eigentlich nicht wiederherstellbar sind. Wann der Film wo zu sehen ist etc., steht alles hier auf der Homepage.


Kino-Doku: “Gundermann Revier”

– Ja, noch ein Gundermann-Film. Diesmal eine Doku – von Grit Lemke. “Gundermann Revier” ist damit das passende Pendant zu Dresens Kinospielfilm von 2018. Mehr Infos, Vorführungsorte etc. hier auf der Homepage.


Kino-Doku: “Bitte nach Mitte!

– Die Geschichte der Ernst-Busch-Schauspielschule ist auch eine über Ost-Handwerk. Jetzt dröselt eine Doku das Ganze auf – weil diese Institution von Oberschöneweide nach Berlin-Mitte umgezogen ist. Schauspielschüler:innen Tür an Tür mit der Arbeiterschaft: Das war das Prinzip, damit isses nu vorbei. Mehr hier.

Dazu passt auch der Text von Janko Tietz über Ost-Schauspieler:innen – und die besondere Herangehensweise der Ernst Busch. “Auf dem roten Teppich geblieben” erschien in einem Sonder-Wendeheft des Spiegel (hier gibt’s die ganze Ausgabe).



// Hören

"Wendejugend. 14 Interviews mit Jugendlichen nach der Wende” (5 Minuten)

hier ein RBB-Interview über das Projekt mit Klaus Farin, einst Gründer des legendären Archivs für Jugendkulturen. Direkt nach der Wende sprachen er und Eberhard Seidel mit Hunderten jungen Menschen in Ost und West über ihre Träume und ihr Leben. Jetzt gibt es eine Auswahl endlich als Buch (Hirnkost 2019, 160 Seiten, 18 Euro).


“Fremd fühlen im eigenen Land” (15 Minuten)

ein DLF-Kultur-Doppelinterview mit Ferda Ataman und Michael Schindhelm über verschiedene Perspektiven 30 Jahre nach dem Mauerfall. “Mit Blick auf die Einheit”, sagt Ataman etwa, “entsteht dieser Eindruck, da wäre eine weiße westdeutsche Gesellschaft auf eine weiße ostdeutsche Gesellschaft geprallt, als hätte es irgendwie die Migranten damals noch gar nicht wirklich gegeben oder als hätten die keine Rolle gespielt”. Und ja, die Überschrift des Beitrags scheint kontextbedingt von Josa Mania-Schlegels super Essay nach dem EU-Wahlabend, nun ja, inspiriert.



Alles über “Mensch Mutta” (28 Minuten)

die SWR-Hörfunkjournalistin und Grimme-Online-Preisträgerin Katharina Thoms erzählte bei der CCC-Podcast-Konferenz im März, was hinter ihrem Podcast steckt, den sie über das Leben ihrer Mutter in der DDR gemacht hat. Mit Ausschnitten natürlich. Alle Folgen “Mensch Mutta”: hier.


“Die 100 besten Ost-Songs” (6 Stunden, 10 Minuten)

– RadioEins hat sie zusammengesammelt, wer sonst, und allwöchentlich von Musikwissenschaftler Flath analysieren lassen: all die einzelnen Beiträge dazu hier.

Auf Platz 1, tadaa: “Am Fenster” von City.
Und natürlich gibt es auch die gesamte 100er-Liste zum Durchhören (ab in die Playlistliste damit. Mindestens):



// Machen

“Meine Wende – unsere Einheit?”: Mitmach-Podcast-Plattform des ZDF

Es gibt einen Aufnahmeknopf mit einem Mikrophon und los: Mit der Mitmachplattform “Meine Wende – unsere Einheit?” sammelt also noch eine Redaktion die Vielstimmigkeit. Wie schön, dass noch mehr Projekte starten, die möglichst breit angelegt Perspektiven zeigen wollen – allen voran natürlich “Wir sind der Osten”.

Hier erklären die Macher:innen des ZDF-Crowd-Podcasts, was sie vorhaben:



// Und der Rausschmeißer

Gundermann mit der Nach-Wende-Fassung von “Hoy Woy”:

Hamwa was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

Folge 2 des Newsletters kommt in zwei Wochen – bis dahin ein herzliches “Ach Du meine Nase” und einen fröhlichen Jahresbeginn. Wer sich in unsere Newsletterliste eintragen will, bittschön, das geht hier:

… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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