ownsx // folge 11

Hallo miteinander, alte und neue Newsletter-Leser:innen,

schön, dass Sie reinschauen.
Kommen Sie gut in diese Woche!

Was den Rest angeht, der eigentlich dahinter steckt:


Hier noch mal fix zwei Sätze zur Erklärung:
Der Newsletter von ostwestnordsuedx zieht alle zwei Wochen einen Strich – und packt Beiträge rund um Ost/West zusammen, die in den +/-14 Tagen zuvor aufgefallen sind. Damit sich nicht alles versendet. Als eine Art temporäres Archiv.

Was die geplante Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen auf ostwestnordsuedx.de (Was das sein soll? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) angeht:
Als Alternative für physischen Tausch: Bieten Sie Ihre Perspektive an – und finden jene Einblicke, die Ihnen im Blatt, in der Sendung, im Heft, auf der Seite fehlen:
hier direkt zum Suche/Biete-Formular!
Ums leichter weiterzusagen: https://tinyurl.com/ownsx-tauschformular


Und jetzt mehr aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen.

Voilà, bittesehr:


// Lesen

Mini-Corona-und-der-Osten-Runde:

– “Warum sich im Osten Deutschlands weniger Menschen infizieren”: Ulrike Nimz und Peter Burghardt über wirschaftliche und soziologische Faktoren, die dabei eine Rolle spielen könnten.
– “Wird der Osten zum Versuchslabor?”: Anne Hähnig, Martin Machowecz und Martin Nejechzleba sind den ostdeutschen Lockerungsmaßnahmen nachgegangen.
– Reportage: “Wieder für Sie da”: Martin Machowecz ist für die Zeit an der mecklenburg-vorpommerschen Ostseeküste entlang gefahren. Um zu schauen, was los ist.
– Und noch mehr Urlaub, diesmal als Essay: “Urlaub in Zeiten des Mangels” heißt diese Folge von Anja Reich für die “Zeitenwende”-Serie der Berliner Zeitung. “Dreißig Jahre hat es gedauert, bis ich es zugeben kann: Das deutsche Urlaubskonzept war nie meins”, schreibt sie. Dazu haben die Kolleg:innen ein paar Aufnahmen aus der “Open Memory Box” gestellt:


Wird Jes Möller Bundesverfassungsrichter?

– Hier Anne Hähnig in der “Zeit”: “Warum nicht mal ein Ossi?”
– “Michael Müller will Ostdeutschen nicht als Verfassungsrichter”, Berliner Zeitung
– “Der Osten muss endlich in höchsten Ämtern repräsentiert werden”, ein Gastbeitrag des Historikers Ilko-Sascha Kowalczuk in der Berliner Zeitung.
– “Auch Sachsen setzt sich für Vorschlag von Woidke ein”, Stephan-Andreas Casdorff im Tagesspiegel
– “Warum Jes Möller Verfassungsrichter werden sollte”, schreibt Alan Posener in der Welt.
– Und übrigens: Er wurde 2012 als erster Ostdeutscher Präsident eines Verfassungsgerichts – in Brandenburg. Hier der Text von Andreas Fritsche von damals.


Doppelinterview: “Die erste Teilung passierte 1945”, taz

Ein Gespräch (geführt von Jan Pfaff) über die Rolle des 8. Mai. Die ostdeutsche Historikerin Silke Satjukow und der westdeutsche Historiker Ulrich Herbert fächern die verschiedenen Perspektiven auf diesen Tag auf.


… dazu passt auch dieser Text über den 8. Mai:

Endlich gesteht’s der Westen”, Die Zeit

– Christoph Dieckmann schreibt über die Wirkung von Weizsäckers Rede 1985:

Aus West-Perspektive war das Ost-System totalitär; heute heißt es “zweite deutsche Diktatur”. Die hurtige Formel dämonisiert die DDR oder verharmlost den Hitlerstaat. Mit projektionistischem Eifer wird behauptet, es habe in der DDR gar keinen Antifaschismus gegeben. Natürlich gab es ihn – gratis, ritualisiert, per Staatsdoktrin, was nicht ausschloss, dass er die Ostdeutschen prägte. Der westdeutsche Antifaschismus erwuchs im Streit der Generationen, mit Zivilcourage, durch Abgang der alten Nazis in Armee, Beamtenschaft und Politik. Was lange fehlte, war sozusagen ein Machtwort.



Statistik: “Eklatante Lohunterschiede zwischen Ost und West”, RND/destatis

– “Ostdeutsche verdienten demnach 2019 im Schnitt 6,64 Euro weniger in der Stunde als Westdeutsche." Das Statistische Bundesamt hat’s ausgerechnet.


Kommentar: “Wer sind hier die Einwanderer?”, Die Zeit

– Der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler hat auf die Debatte rund um Ex-Bundespräsident Joachim Gaucks Plädoyer für “erweiterte Toleranz” nach rechts reagiert. Hintergrund ist dieser Text von Alice Bota, Khuê Phạm und Özlem Topçu – und Gaucks Reaktion hier. Daimagüler schreibt, dass wir als Gesellschaft nach 1989 verpasst hätten, uns als vielfältiges Land zu begreifen, und:

Die Wiedervereinigung hat uns Migrantenkinder in der Hierarchie der Anerkennung von einem mühsam errungenen Platz auf einmal wieder nach unten gedrückt. Darin liegt meiner Ansicht nach der Kern des Streits, der Enttäuschung und der neuen Spaltung, die sich im Land auftut.


Dazu passt auch:

Kommentar: “Auch Migrant*innen sind Ostdeusche”, Böll-Stiftung

Nhi Le schreibt über die letzten Monate: “Es fühlte sich an, als sei die jahrelange Arbeit von nicht-weißen Ostdeutschen unsichtbar” – und hat eine Liste zusammengestellt mit migrantischen Selbstorganisationen in Ostdeutschland.


Interview mit Harry Waibel: “Vertuschung”, Die Zeit

Der Historiker erzählt August Modersohn über die rassistischen Anschläge in Hoyerswerda und Rostock-Lichtenhagen und Rechtsextremismus in der DDR: “Erst später, als ich in die Archive gegangen bin […], begriff ich: Die beiden Ereignisse waren nichts anderes als eine Fortsetzung der Verhältnisse in der DDR”.


Meldung: “Berliner Mauerrest in Pankow wird gesichert”, Tagesspiegel

– 60 Meter Hinterlandmauer – am Stück. Dass es die überhaupt noch gibt, war vergangenen Herbst bekannt geworden. Nun sind nur noch 10 Meter davon übrig. Der Rest: abgerissen, für Neubauten. Dieser Rest wird nun immerhin unter Denkmalschutz gestellt, berichtet Christian Hönicke. Wer in der Nähe ist, kann ja mal hier vorbeigehen.


Die Namenlosen”, Die Zeit

– Die Schicksale von mehr als fünf Millionen sowjetischer Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg sind ungeklärt. Katja Gloger über jene, die versuchen, ihnen ihre Geschichte wiederzugeben.


Meldung: “Ost-West-Animositäten nehmen zu”, Neues Deutschland

– Auch wenn die Perspektive brandenburgisch ist: Der aktuelle Bericht, den die dortige Stasi-Landesbeauftragte Maria Nooke gerade vorgelegt hat, zeige unter anderem, dass das “‘Glück von 1989’ nicht selten überlagert werde von negativen Erlebnissen danach”. Hier ein RBB-Zweiminüter dazu.



Medienkritik: “Vertrauen nur 42 Prozent der Ostdeutschen in die Demokratie?”, woistderbus

– Es gibt da diese Allensbach-Umfrage, darunter auch die Ost/West-Perspektive auf Demokratie als Staatsform. Nur 42 Prozent, so die Statistik, fänden Demokratie die beste Staatsform. Robert Wenzl von “Wo ist der Bus?” geht dieser Zahl und ihrer medialen Vermittlung auf den Grund:

Dass die Ostdeutschen vielleicht nicht mit der Staatsform an sich, sondern mit ihrer Umsetzung unzufrieden sind, verschleiern aber nicht nur die Überschriften.



Rückblick: “Der Rotfunk in Ost-Berlin”, Spiegel Online

– Und zwar ab Mai 1945 erstmal aus einem Rundfunkhaus im Westen, bis das Funkhaus Nalepastraße fertig war. Über die Anfänge des “Berliner Rundfunks” mit Konzert von Beethovens 9. Sinfonie auf Schuttresten bis zu Markus Wolf als Redakteur: eine ausführliche “eines tages”-Geschichte von Hans Hielscher.


// Sehen

Interview: “Erleben Ost und West die Corona-Krise unterschiedlich?”, NDR

– Wer ist dieses “Wir”, von dem dauernd die Rede ist – und was an diesem “Wir” ist korrekt? Der Jenaer Kommunikationspsychologe Wolfgang Frindte im Interview mit Anja Reschke über die aktuelle Berichterstattung.


TV-Doku-Dreiteiler: “Wer braucht den Osten?”, MDR

– Drei 45-Minüter: Teil 1: Die Politik und Teil 2: Die Wirtschaft und Teil 3: Die Gesellschaft:


Online-Vorlesung: “Das mediale Erbe der DDR”, Uni Leipzig

In der aktuellen Folge erzählt Alexander Leistner über sein Forschungsprojekt “Das umstrittene Erbe von 1989” (www.erbe89.de). Apropos: Hier das Umfrageergebnis unter Jugendlichen über das mediale Erbe der DDR.


TV-Doku: “Die B96”, MDR

Zwei ausführliche Reportagen entlang der früheren F96.



TV-Doku: “Was wurde aus den ‘Freunden’? Russland und wir damals und heute”, MDR

– “Sprechen Sie noch Russisch?” – das ist die Auftaktfrage für diese halbstündige Sendung, die den russischen Spuren in Ostdeutschland nachgeht.


TV-Doku: “Die Bernauer Straße”, RBB

– Diese Berliner Straße erzählt immer noch mit am eindrücklichsten, was diese Trennung quer durch die Stadt bedeutete. Nachzusehen in diesem 45-Minüter von Daniel und Jürgen Ast und Hans-Hermann Hertlein in der Mediathek. Oder vor Ort entlang der begehbaren Gedenkstätte des Landschaftsarchitekten A.W. Faust.


TV-Doku: “Mysteriöse Kriminalfälle in der DDR”, ZDF

– Vier Fälle aus den 70ern und 80ern – um aufzuzeigen, wie abhängig die Justiz war. Den reißerischen Titel hätte man für den 45-Minüter auch weglassen können.


TV-Doku: “Der Doppelgänger aus Ostberlin”, ZDF

Es ist eine dieser Fluchtgeschichten, die zwei Menschen für immer miteinander verbinden – hier haben sie sogar das gleiche Photo im Pass.


TV-Doku: “Mythos DDR-Kampftruppen”, ZDF

– 45 Minuten, läuft am 24.5.


Youtube-Interview: “Die russische Raumfahrt”, Radio1-Medienmagazin

– Raumfahrtjournalist Gerhard Kowalsky über 75 Jahre russische Raumfahrt – im Gespräch mit “Medienmagazin”-Macher Jörg Wagner.


// Hören

Das erste DDR-Länderspiel war auch das einzige” (DLF Kultur, 24 Minuten)

– Und zwar am 9. Mai 1990. Frauenfußball natürlich. (Themenverwandt: hier eine Liste mit alten DDR-Fußballvereinen, die neulich kursierte, so zur Erinnerung.)


Leben eines Unbequemen” (DLF Kultur, 55 Minuten)

– Eine knappe Stunde über Grit Lemkes neue Gundermann-Doku “Gundermann Revier” (hier der Trailer).

Wind of Change” (Podcast, 8 Folgen)

– Ja, es ist das “Wind of Change”. Der “New Yorker”-Redakteur Patrick Radden Keefe hat eine irre Geschichte aufgetan: rund um den Song der Scorpions. Alle 8 Teile hier.


BABcast” (neuer Podcast)

– Von den Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur – Folge 1: “1990. Berlin im Wandel”.


// Machen

Sich in die neue #ownsx-Austauschbörse eintragen: und zwar hier!

– Das Motto für mehr andere journalistische Perspektiven für alle Redaktionen ist: “Suche Ost, biete West” oder “Suche West, biete Ost”.

Und klar, ne, gerne weitersagen!



Das Kunstarchiv Beeskow besuchen:

– Entweder vor Ort in Brandenburg oder in virtuellen Ausstellungen: “Kunst der Erinnerung” – oder etwa diese hier: “DDR-Kunst auf Beeskow”.


Das hier lassen:


// Und der Rausschmeißer

Zum Schluss das noch:

Kollege Levin Kubeth vom Medienpodcast “Unter Zwei” hat sich mit mir über ostwestnordsuedx unterhalten – die Folge ist seit heute hier zu hören.


So. Hamwa was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

Folge 12 des Newsletters kommt in zwei Wochen – dann ist sogar schon Juni. Ja, ich habe auch kurz gestutzt. Bis dahin alles Gute!

Wer sich in unsere Newsletterliste eintragen will, bittschön, das geht hier:

… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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