ownsx // folge 6


Bisschen Frauentag, bisschen Thüringenwahl-Reste, bisschen Treuhand. Bisschen Nachwendegeneration. So ungefähr ist die Mischung. Hallo zusammen!


Hier noch mal fix zwei Sätze zur Erklärung:
Der Newsletter von ostwestnordsuedx zieht alle zwei Wochen einen Strich – und packt Beiträge rund um Ost/West zusammen, die in den +/-14 Tagen zuvor aufgefallen sind. Damit sich nicht alles versendet. Als eine Art temporäres Archiv.

Sukzessive gibt es hier auch alles zur entstehendenen Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen ostwestnordsuedx.de. (Was das ist? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) Aktueller Stand der Dinge: Start ist im ersten Quartal 2020.


Und jetzt aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen.

Voilà:


// Lesen

Fangen wir doch an mit einer Runde zum Frauentag:

– In “Na, schon Angst?” erzählt die Schriftstellerin Annett Gröschner in der “Zeit” von Frauenalltag in der DDR. Ist von 2019, aber diese Perspektiven fehlen häufig, wenn gesamtdeutsch über Frauenpolitik berichtet wird. Und Gröschner verweist auch auf Helke Misselwitz’ Defa-Doku “Winter adé” von 1988, dann ergänzen wir das hier mal mit dem Trailer.

– “Ostfrauen haben das Frauenbild im Westen mit modernisiert”, hat MVs Ministerpräsidentin Manuela Schwesig bei einem Frauentagsempfang in Schwerin gesagt – wer sich wundert über die vielen Versionen hinter Paywalls: Bei der Süddeutschen Zeitung kann man die dpa-Meldung nachlesen.

– “Frauentag: Warum es nicht um Ost und West geht”, erklärt der-die-das “Vorwärts”.

“Sex hilft beim Lückenschluss”: Ja, der Titel des Buchs ist auf Krawall gebürstet, aber es erhellt die Debatten unserer Zeit: “Warum Frauen im Sozialismus besseren Sex haben” der US-Anthropologin Kristen R. Ghodsee hilft Westlern, den Frauenalltag in der DDR und anderen sozialistischen Ländern besser zu verstehen. Und zeigt, wie #metoo und Bernie Sanders zusammenhängen. Ist im Spätherbst bei Suhrkamp erschienen, ich habe das Ganze hier mal rezensiert.

Ich-Reportage von Thembi Wolf: “War meine Familie bei der Stasi?”, Vice

– Warum Ost-Kinder wie sie selbst das zu selten wissen wollen, überlegt Wolf in dem wichtigen, überfälligen Stück. Und geht dieser Frage ausführlich nach. Mal sehen, was daraus noch wird, gesamtgesellschaftlich.

Kinder wie ich, die um den Mauerfall herum Geborenen, die die DDR nicht mehr aus eigener Erfahrung kennen, […] seien perfekt dafür geeignet, endlich ehrlich zu fragen, sagt die Soziologin Hanna Haag. Sie seien unbefangener und demokratisch sozialisiert.


Kommentar von Sabine Rennefanz: “CDU: Die Zeit des Zuhörens im Osten ist längst abgelaufen”, Berliner Zeitung

– Rennefanz schaut sich die Kandidatenriege für den CDU-Vorsitz an und befindet:

In der Thüringen-Krise zeigen alle drei Kandidaten eine ähnliche Realitätsverweigerung angesichts der komplizierten Zustände im Osten und lehnen Koalitionen mit der Linken ab.


… dazu passt auch:

Analyse von Michael Lühmann: “Christdemokratische Lebenslüge”, Der Freitag

– Lühmann nimmt sich darin noch mal die Blockpartei-Vergangenheit der Ost-CDU vor. Seine Bilanz: “Der Feind trägt rote Socken und die CDU bekanntlich schwarz. So vereinfacht lässt sich das Geschichtsbild der deutschen Christdemokratie im Jahr 2020 weiterhin zusammenfassen.”


Interview mit Marco Wanderwitz I: “Ich würde mich nicht als Ostdeutscher bezeichnen”, Zeit

– Jana Hensel in einem sehr differenzierten, nuancierten Gespräch mit dem neuen Ostbeauftragten der Bundesregierung.

Interview mit Marco Wanderwitz II: “Ostbeauftragter macht Linke für Aufstieg der AfD mitverantwortlich”, Tagesspiegel

– Auch die Kolleg:innen Maria Fiedler, Robert Ide und Matthias Meisner vom Tagesspiegel haben mit ihm gesprochen. Es geht um die Frage, was “ostdeutsch” ist und natürlich auch um den AfD-Linke-Äquidistanzbeschluss der CDU.


Interview mit Josef Duchač: “Josef, das wäre Dir nicht passiert”, Zeit

– Josa Mania-Schlegel hat Anfang März den ersten Nachwende-Ministerpräsident Thüringens getroffen. Ein Gespräch mit viel Wut.


Interview von Gareth Joswig: “Niemand wollte das wahrhaben”, taz

– Bernd Wagner, der Gründer der Aussteigerorganisation Exit, über Nazis in der DDR, die es ja angeblich nicht gab – damals war Wagner selbst noch Kriminalbeamter.

Meldung: “Die ARD entdeckt den Osten”, Tagesspiegel

– … und zieht um. Vielleicht. Also die Degeto soll, findet Tom Buhrow. Die Degeto aber nicht. Alles hier, aufgeschrieben von Joachim Huber.



Datenanalyse: “In puncto Familie ist Sachsen Vorreiter”, Freie Presse

Sehr ausführlich aufgedröselter Blick in die aktuelle Statistik. “Mehr Kinder, mehr Betreuung in Kitas und Horten, mehr Alleinerziehende. Der Freistaat sticht im Deutschland-Vergleich noch immer heraus. Doch der Westen holt auf.” Mit Schaubild.

Portrait über Klaus Wolfram: “Ostdeutscher Frühling”, FAZ

Mark Siemons über eine Ost/West-Debatte, die in der Akademie der Künste im Herbst begann – als der frühere DDR-Oppositionelle eine Rede hielt. Und daraufhin eine Kluft aufbrach. “Die Bundesrepublik spinnt ihr altes Selbstgespräch über Ostdeutschland fort und fort – doch inzwischen hört dort niemand mehr zu”, hieß es in der Rede unter anderem.


Doppelseite: “Ost/West-Perspektiven”, politik & kultur

–Es ist großartig, wie ausführlich der Deutsche Kulturrat #OstWest-Perspektiven in jeder "Politik&Kultur"-Ausgabe bringt. Heuer mit einer Doppelseite über das "Mediale Erbe der DDR". Hier das PDF (vorspulen auf S. 9)

Rezension: “Alte Kameraden”, FAZ

– Im Ch.Links-Verlag ist ein Buch über die DDR-Spionage des BND erschienen – taugte wohl nicht viel. Also die Spionage, nicht das Buch von Ronny Heidenreich.


2 x Ost/West-Nachwendegenerationen-Tausch, jetzt

– Perspektiven aus zwei Studi-Städten. Einmal Zwickau: “Ich bin 24 Jahre alt und war noch nie in Ostdeutschland” – einmal Aachen: “Es war cool zu zeigen, dass wir nicht alle dumm und Nazis sind”.

Nachklapp: von der WSDOsten-Diskussionsrunde in Erfurt

Hier aufgeschrieben von der Plattform “Digitale Provinz”, hier der Nachbericht von der “Thüringer Allgemeinen”, die Medienpartner waren.

Buch: “Ostbewusstsein”, von Valerie Schönian

– “Warum Nachwendekinder für den Osten streiten und was das für die Deutsche Einheit bedeutet”, so der Untertitel des Buchs der Zeit-im-Osten-Redakteurin. Sie hat im vergangenen Jahr auch den Zeit-Podcast “Wie war das im Osten?” mit betreut. (Piper, 226 Seiten, 16 Euro. Erscheint am 16.3.).


Buch: “Die rechtschaffenen Mörder”, von Ingo Schulze

– Dresdner Antiquar wird rechtsextrem: Der Plot erinnert doch sofort an die wahre Geschichte über die Buchhändlerin Susanne Dagen (hier portraitiert von Moritz Aisslinger in der “Zeit”). Hier die Rezension des MDR, hier aus der Zeit, hier in der taz, hier im Spiegel. (S. Fischer, 322 Seiten, 21 Euro).


// Sehen

Treuhand-Doku I: “Orte der Arbeit: Der lange Weg zum Neuanfang”, MDR

Der Film von Marianne Harr zeigt Menschen, die die VEBs nach der Wende weitergeführt oder sich in ihrem alten Beruf selbständig gemacht haben. Inklusive Rundgänge durch die alten Fabrikgebäude. Streng genommen geht’s weniger um die Treuhand als um Alternativen zur West-Privatisierung. Wohltuend in der Riege dieser VEB-Treuhand-Dokus.


Treuhand-Doku II: “Treuhand: ein deutsches Drama”, ARD

– So eine Art Komplementärstück zum obigen. In diesem Film von Tom Fröhlich und Michael Schönherr kommen auch die Movers & Shakers von damals zu Wort, fast alle von ihnen finden: Lief doch prima.


Treuhand-Doku III+IV: “Das Erbe der Treuhand”, ZDF

– Das ZDF hat sich dafür sogar einen Doku-Zweiteiler geleistet, einmal mit dem Thema “Wut und Wirklichkeit” (von Christin Köppen), einmal als “Aufbruch und Ausverkauf” (von Heike Nelsen), beides je 45 Minuten lang.


… dazu gehört auch diese Treuhand-Umfrage der “Forschungsgruppe Wahlen” fürs ZDF:


Dankesrede: von der Kulturjournalistin des Jahres 2019 Jana Hensel

– "Die deutschen Medien haben sich mehrheitlich das Recht rausgenommen, den Osten zu ignorieren", jahrelang sei mit dem Thema kein Blumentopf zu gewinnen gewesen, befand Hensel bei der Feier der “Journalisten des Jahres” von “Medium Magazin”. (Hier die Laudatio und hier die Begründung der Jury.)


Dreiteiler: “Unterleuten”, ZDF

– Muss man zu der Verfilmung von Juli Zehs Bestseller noch irgendwas sagen? Berliner, Wessis ziehen nach Brandenburg aufs Land. Es knirscht. Charly Hübner plädiert dafür, den Film nicht aus Ost-West-Perspektive anzuschauen. Hier der Vollständigkeit halber:



Nachtrag
Doku-Dreiteiler: “Ostfrauen”, MDR

– Auch schon von 2019, aber der Vollständigkeit halber hier noch dazu gepackt in die Frauentagsausgabe: ein richtiger Schwerpunktklops vom MDR.
Da sind zum einen die Dokumentationen, 3 x 45 Minuten: “Wege zum Glück”, “Wege zur Macht”, “Weg vom Herd”; u.a. mit der Journalistin Regine Sylvester, den Politikerinnen Anke Domscheit-Berg und Jana Schminke, der Köchin Maria Groß.
Dazu Statistiken und ihre Hintergründe, über “Ostdeutsche Frauen in den Eliten” oder “Mythos und Wirklichkeit” mit Blick auf Wertvorstellungen, Alltagsverhalten etc.

Und hier mal ganz allgemein für den MDR: die Sammelseite “Heute im Osten”, wo alle Beiträge zu “Wir und der Osten Europas” einlaufen.


// Hören

"30 Jahre Mauerfall – wie war das für die Frauen?” (SRF Radio, 32 Minuten)

Noch mal Frauentag, auch schon aus dem Herbst, aber tauchte nun wieder auf: ein Gespräch mit Frauen heute über ihren Alltag in der DDR.


Ich bin Anhängerin einer Ostquote für Führungspositionen”, (TA-Podcast, 37 Minuten)

Noch mal Jana Hensel, diesmal interviewt vom Chefredakteur der Thüringer Allgemeinen Jan Hollitzer.


Was ist das, ostdeutsch?” (Radio Corax, 27 Minuten)

– Das freie Radio Corax klamüsiert die Frage und ihre Antworten in einem Feature auseinander – dazwischen Musik (Silly, Gundermann, A.G. Geige etc.).


Der Mauerfall im Geschichtsunterricht”, (SWR2 Wissen, 27 Minuten)

– Merle Hilbk über das internationale, europäische Langzeitprojekt “Transition Dialogue”: Was lernen Schüler:innen in Polen, Ungarn, Deutschland, anderswo über den Fall der Mauer?


// Machen

Museen besuchen: “Preußen raus, Alltag rein!”

– Uwe Rada von der taz empfiehlt gleich vier: das Museum Oder-Spree, das Oderbruchmuseum, das Dokumentationszentrum für Alltagskultur der DDR, das Wegemuseum Wusterhausen haben sich gerade teilweise neu erfunden. Großer, ausführlicher Text samt Tipps – hier.


// Und der Rausschmeißer

Der Große Garten

– Frühling und so, ne. Hier daher ein Buchtipp: “Der Große Garten”, schon letztes Jahr erschienen, aber passt immer, thematisch “unterleutig”. Die bayerische Filmemacherin Lola Randl erzählt darüber, wie sie rauszog, in die Uckermark. Und sich dort unter anderem des ehemaligen Schlossgartens der von Arnims annahm. Ein aus vielen Gründen sehr außergewöhnliches Werk, völlig zu Recht nominiert für den Deutschen Buchpreis. Klingt wie “schon x-mal gehört”, ist aber nicht so. Versprochen. Parallel dazu, wer mag, ihre Doku “Von Bienen und Blumen”.


So. Hamwa was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

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… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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