ownsx // folge 9

Hallo miteinander,

diesmal ohne viel drumrum. Passen Sie alle weiterhin gut auf sich und aufeinander auf.

Was den Rest angeht, der eigentlich dahinter steckt:


Hier noch mal fix zwei Sätze zur Erklärung:
Der Newsletter von ostwestnordsuedx zieht alle zwei Wochen einen Strich – und packt Beiträge rund um Ost/West zusammen, die in den +/-14 Tagen zuvor aufgefallen sind. Damit sich nicht alles versendet. Als eine Art temporäres Archiv.

Was die geplante Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen auf ostwestnordsuedx.de (Was das sein soll? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) angeht: tja, wirklich komplett überflüssig momentan, logo.

Eigentlich sollte das Dings in diesen Tagen live gehen, aber ich habe erst einmal pausiert vor ‘ner guten Woche – und nun beschlossen, die Idee der neuen Lage anzupassen. Weil: Neue Formen von Austausch werden wir in unserer Branche in der kommenden Zeit erst Recht brauchen, Stichwort eingeschränkte Mobilität.

Also: Ich bastele im Hintergrund, mal schauen, wie schnell es geht!


Und jetzt mehr aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen.

Los geht’s:


// Lesen

Kleine Corona-und-der-Osten-Runde:

– dpa-Interview mit Wolfgang Frindte: “Ostdeutsche sind bereits krisenerprobt”. Das dpa-Gespräch mit dem Jenaer Sozialpsychologen über andere Formen von Corona-Resistenz tauchte in Meldungen verpackt da und dort auf, hier die Langfassung in der “Berliner Morgenpost”.

– ND-Bericht: “Corona in Ostdeutschland”. Max Zeising war auch in Leipzig unterwegs, seine Bilanz: “In Sachsen kennt man Umbrüche. Der aktuelle erinnert ein wenig an 1989”.

– Die Analyse “Eigentum des Volkes: Lehren aus dem Zusammenbruch” aus der Berliner Zeitung ist ein neuer Teil der “Zeitenwende”-Serie. Hier stellt Maritta Tkalec vor, welche Alternativen es gegeben hätte, statt dem Prozedere der Treuhand. Und analysiert, was davon etwa für Post-Corona hilfreich sein könnte.

– Und auf Rügen gibt’s Ost/West-Konflikte darüber, wer bleiben darf. Martin Nejezchleba war für die “Zeit” dort (Z+-Text).


Gesprächsrunde: “Der Sommer der Anarchie”, taz

– 30 Jahre nach den ersten Hausbesetzungen in Ost-Berlin hat taz-Kollege Uwe Rada Ex-Besetzer:innen der – immer noch besetzten – Linienstraße 206 getroffen. Und sie in einer Langstrecke von damals erzählen lassen. Nico etwa sagt:

“Ich fühlte mich fremd im Osten. Auch in dem Frauenhaus, in dem ich arbeitete, war ich die Einzige aus dem Westen. Da hatte ich schon das Gefühl, wir rücken denen auf die Pelle und nehmen ihnen weg, was ihnen zusteht.”


Erklärung von Klaus Wolfram: “Der Mutige wird wieder einsam”, Berliner Zeitung

– Der Bürgerrechtler hatte im November in der Akademie der Künste eine Rede gehalten, er war und ist berstürzt wie verwundert über die ratlos-empörten Reaktionen. Jetzt das Ganze aus Wolframs Perspektive (wer die Vorgeschichte nachlesen will: siehe ownsx // Folge 6).

“In einem meiner Lieblingsfilme fällt der Satz: ‘Wenn man so lange eine Maske trägt, vergisst man irgendwann, wer man darunter ist.’ […] Das westdeutsche Selbstgespräch hat aber schon viel Maskenhaftigkeit angerichtet. Übrigens nicht nur bei uns, sondern auch ‘drüben’, bei ihnen.”



Jubiläumsnotiz: “Zartes Pflänzlein Demokratie”, Süddeutsche Zeitung

– Am 12.4.1990 wurde Lothar de Maizière der letzte und erste frei gewählte Ministerpräsident der DDR. Kleine Meldung in der SZ, aber mit Zitaten aus dessen Antrittsrede. Moment … kurze Suche bei Youtube, nicht gefunden, aber dafür die vom/zum 17. Juni 1990 (“Die Regierungskoalition geht davon aus, dass sie durch die Wahlen am 18.3.1990 den Auftrag erhalten hat, die deutsche Einigung herbeizuführen”):

Lesestrecke: 3 Seiten über Literatur und DDR, Politik & Kultur

– In der April-Ausgabe der Zeitung des Deutschen Kulturrats wieder eine irre Ladung der monatlichen “Ost/West-Perspektiven” (dafür vorblättern auf S. 14). Mit einem Stück über die wunderbaren Bücher aus dem “Der Kinderbuchverlag”, der inzwischen bei Beltz untergekommen ist. Vielleicht ja aktuell als Anregung: 140 Titel der DDR-Klassiker sind derzeit lieferbar, natürlich auch “Der kleine Angsthase” oder “Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt”.

Dazu ein Beitrag der Schriftstellerin Tanja Dückers über ihre kindliche Perspektive aus West-Berlin gen Ost, eine Analyse der deutsch-deutschen Literaturgeschichte seit 1989 und: Regine Möbius dröselt auf, wie Gesellschaftsform und “literarisches Seelenleben der DDR” zusammengehörten.


… direkt auf der Seite davor übrigens:


Interview mit Marco Wanderwitz: “Es steht Spitz auf Knopf”, Politik & Kultur

– Der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung, der gleich in der ersten Antwort (vorblättern auf S. 13) erklärt, dass man vor fünf Jahren noch gedacht habe, man brauche diese Position bald nicht mehr, erzählt, wie er seine Rolle versteht. Und welche die Ost-CDU hatte und hat, was “die Politik” seiner Meinung nach in Ostdeutschland versäumt hat. Und was er vorhat, unter anderem:

“Ich bin dafür, den Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staats-sicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik weiterzuentwickeln zum Beauftragten für das SED-Unrecht. Nicht die Stasi war die Spinne im Netz, sondern die SED.”




Interview mit Alfred Weidinger: “So ein Haus werde ich nie mehr leiten”, Die Zeit

– Der Direktor des Leipziger Museums der Bildenden Künste geht nach drei Jahren zurück nach Österreich. August Modersohn von der “Zeit im Osten” hat ihn getroffen. Eines seiner Anliegen war, ostdeutsche Kunst sichtbarer zu machen. Aber diese Szene hier sagt eigentlich alles:

“Ich weiß noch genau, wie ich wenige Wochen vor meinem ersten Arbeitstag in Leipzig die Bibliothekarin bat, mir alle Bücher über Leipziger und ostdeutsche Kunst auf den Schreibtisch zu legen. Als ich dann kam, lagen da fünf Bücher. Fünf Bücher! Ich meinte: Das kann’s doch nicht sein. Und sie: ‘Doch. Das ist eigentlich alles.’


Rezension: “Nach den Rechten sehen”, Süddeutsche Zeitung

– Leipzig-Korrespondent Cornelius Pollmer über Moritz von Uslars “Deutschboden” in der SZ.




Online-Projekt: “Gegen uns”, VBRG/RAA Sachsen

– Menschen, die nach 1990 von rassistischer Gewalt betroffen waren, Überlebende, sie erzählen ihre Geschichte. Darunter Vertragsarbeiter:innen, die aus Mosambik in die DDR gekommen waren, aber auch die Außenperspektive der ersten Ausländerbeauftragten Dresdens ist dabei. Das Ganze ist eine Initiative des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

… und dazu passt auch das hier:


… genauer:

Buch: “Für Respekt und Anerkennung”, Mitteldeutscher Verlag

– Untertitel: “Die mosambikanischen Vertragsarbeiter und das schwierige Erbe aus der DDR”. Die Texte darin beziehen sich auf eine Tagung aus dem vergangenen Jahr anlässlich des 40. Jahrestags des Staatsvertrages der VR Mosambik mit der DDR. (Mitteldeutscher Verlag, 304 Seiten, 24 Euro).

Buchankündigung: “Die Gesellschaft der Anderen”, Jana Hensel+Naika Foroutan

– Ab Herbst im Aufbau-Verlag (ET 22.9.), hier mit Venn-Diagramm-Cover:


// Sehen

TV-Doku: “Die sieben Geheimnisse der NVA”, ZDF

noch bis 20.4. verfügbar.



TV-Doku: “Schick nach Plan: Die bunte Modewelt der DDR”, ZDF

– auch nur noch am 20.4. verfügbar.


TV-Doku: “Große Freiheit DDR: Abenteuer in der DDR”, ZDFinfo

– 45 Min., läuft am 22.4. um 14 Uhr.


TV-Doku: “Margot Honecker: die Bilanz”, ZDFinfo

– 30 Min., läuft am 26.4. um 10:30 Uhr.


TV-Reihe: “Daniel Druskat”, MDR

Alle fünf Folgen über den LPG-Vorsitzenden Druskat in einem Dorf in Mecklenburg, der eines Tages von zwei Männern abgeholt wird. Im DDR-Mehrteiler von Lothar Bellat aus dem Jahr 1976 machten sie wirklich alle-alle mit, hier nur mal ein paar aufgezählt: Hilmar Thate, Manfred Krug, Angelica Domröse, Sabine Elsholz, Ursula Karusseit.


Defa-Film: “Anton, der Zauberer”, MDR

– Allein, um Erwin Geschonneck mal wieder zu sehen! Diese Defa-Komödie von Günther Reisch (1978) erzählt vom Leben des Automechanikers Anton – und fängt dafür mit dem Ende an: seiner Beerdigung.


TV-Theater: “Maxe Baumann”, MDR

– Diesmal die Folge “Ferien ohne Ende”, aufgezeichnet vor Live-Publikum, natürlich. Die Lustspielreihe über den Rentner Baumann lief bis 1982 (für Wessis: Denken Sie Millowitsch/Ohnsorg).


TV-Beitrag: “Erste Livesendung aus der DDR”, ZDF-Wiso

– Die Kolleg:innen von der Superillu haben da was ausgegraben – live von der Leipziger Messe 1987.

TV-Fluchten: “Auf schmaler Spur” und “Zug um Zug”, MDR

– Sagen wir mal so, die Faszination des MDR mit Zügen und Bahnhöfen ist nicht zu übersehen. Hier direkt zu “Auf schmaler Spur”, aber alle gebündelt hier (bisschen runterscrollen).


// Hören

“Warum braucht man für den Osten eine Anleitung?” (Podcast KJP, 30 Minuten)

– Podcast im Podcast, “Ostanleitung” bei “Keine Jungpioniere”: eine halbe Stunde lang erzählt Marie Sophie Schiller dem Dresdner Kollegen Lucas Görlach über den Ansatz ihrer “Anleitungs”-Gespräche.

”Was hat die Treuhand mit uns zu tun?”, (Podcast KJP 48 Minuten)

Gleich noch eine Folge “Keine Jungpioniere”: ein Interview mit dem Zeitgeschichtsprofessor Marcus Böick von der Ruhr-Uni Bochum.

Auch Westdeutsche können ein Ostbewusstsein haben” (DLF Nova, 37 Minuten)

Valerie Schönian erzählt im Interview bei “Eine Stunde Talk” Sven Preger über die Hintergründe ihres Buchs “Ostbewusstsein”, die Initialmomente und die Missverständnisse, die es immer noch gibt.


Was ist eigentlich ein Ossi?” (WDR2, 4 Minuten)

– Die Frage wurde vor (fast) genau 10 Jahren gerichtlich geklärt – die Radiokollegen von WDR2 erzählen noch mal, was diese Frage und ihre Antwort klären sollte.


// Machen

Ostdeutschlandbilder googeln: “Imaginationen vom Osten”

– Die Kollegen vom “Wo ist der Bus?” haben’s vorgemacht und wunderbar analysiert, was es mit uns macht, was wir sehen, wenn wir’s sehen. Auch mal? Hier direkt ausprobieren.


Sich Osteuropa erlesen: “Central and Eastern European Online Library

– Seit 20 Jahren gibt es diese spektakuläre Onlinebibliothek, im Zweier-Modus betrieben aus Frankfurt am Main. Wer auch zum ersten Mal reinschaut: Es ist irre, was es alles gibt. Also: alles. Und hier ein ausführliches Stück aus der FAZ, das das Ehepaar dahinter vorstellt.

Beratungsangebote für SBZ/DDR-Opfer parat haben:

– Die Bundesstiftung Aufarbeitung hat ihre Beratungs-Broschüre aktualisiert: kostenlos als PDF hier erhältlich.


// Und der Rausschmeißer

Bisschen Musik

– Valerie Schönian hat mich draufgebracht – und da die Sehnsucht nach Weite und Ferne ja gerade auch ganz gut passt:


So. Hamwa was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

Folge 10 des Newsletters kommt in zwei Wochen – bleiben Sie gesund, bitte, passen Sie auf sich auf. Fürs Gemüt hilft das ganze Vitamin D draußen (mit den üblichen Regeln, logo). Und falls Sie es feiern: Schöne Ostertage, trotz allem.

Wer sich in unsere Newsletterliste eintragen will, bittschön, das geht hier:

… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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