ownsx // folge 34

Also dann, hinaus in den Mai!

Willkommen zur nächsten Runde – auch allen neuen Abonnent:innen, schön, dass Sie hier sind. Diesmal mit allem von BStU-DJV-Recherchen bis DDR-Umweltschutzbewegung.

Aber erst mal – worüber haben wir hier eigentlich vor einem Jahr geredet?
Hier der Newsletter vom 4.5.2020.


Noch mal fix zwei Sätze zur Erklärung:
Der Newsletter von ostwestnordsuedx zieht alle zwei Wochen einen Strich – und packt Beiträge rund um Ost/West zusammen, die in den +/-14 Tagen zuvor aufgefallen sind. Damit sich nicht alles versendet. Als eine Art temporäres Archiv.

Was die geplante Arbeitsplatztauschplattform für Journalist:innen auf ostwestnordsuedx.de (Was das sein soll? Womit alles anfing? Wer dahinter steckt? Steht hier und hier und hier. ) angeht:
Als Alternative für physischen Tausch: Bieten Sie Ihre Perspektive an – und finden jene Einblicke, die Ihnen im Blatt, in der Sendung, im Heft, auf der Seite fehlen:
hier direkt zum Suche/Biete-Formular!
Ums leichter weiterzusagen:
https://tinyurl.com/ownsx-tauschformular


Los geht’s, Neues aus den Kategorien Lesen // Sehen // Hören // Machen:

// Lesen

Thema: BStU und Bernd Lammel

– Sekunde, was?! Die Stasi führte den Photographen und späteren DJV-Berlin-Vorsitzenden Bernd Lammel als IM und auch die Stasi-Unterlagenbehörde sammelte Informationen über ihn? Auslöser war ein RBB-Bericht von 2015, offenbar recherchierte die “Bild” in der BStU allen DDR-gebürtigen Mitgliedern des Berliner DJV hinterher, auch die RBB-Kollegin forschte weiter. Als Lammel Ende 2020 selbst Einblick nehmen wollte und plötzlich 16 Leitzordnern Material vor sich sah, kam neue Bewegung in die Geschichte. Nun sind mehrere Redaktionen dem Ganzen auf den Grund gegangen. Hammergeschichte, mit immer noch einigen offenen Enden:

Ausforschung statt Aufarbeitung: Wie 164 Menschen unter Stasiverdacht gerieten”, Sabine Rennefanz, Wiebke Hollersen / Berliner Zeitung

Wie die Stasi-Unterlagenbehörde dem rbb und „Bild“ half, Dutzende Journalisten auszuforschen”, Marcus Engert / Übermedien

Wie die Stasi-Unterlagenbehörde BILD und rbb half, Journalisten auszuforschen”, Marcus Engert / Buzzfeed

Hintergrundgespräch mit Engert beim “Holger ruft an”-Podcast, Holger Klein / Übermedien



Interview: “Ein Laboratorium der Demokratie”, bpb.de

– Corona als “Vereinigungsgenerator”? Diese These spielt der Soziologe Steffen Mau (“Lütten Klein”) durch im Interview mit BLZ-Kollegin Sabine Rennefanz für die bpb.



Thema: Ost/West-Löhne

– “Zwei Jahre länger bis zur Rente”, nd. der Tag
– “Ostdeutsche verdienen immer noch deutlich weniger”, Der Spiegel
– “31 Jahre nach der Wende: Ost-Metaller wollen Lohnausgleich für Mehrarbeit”, MAZ (+)


Interview: “Sputnik V und der ‘ostdeutsche Blick’ auf Russland”, ZOIS

– Kretschmer in Moskau, vielfältige Debatte um “Sputnik”-Impfstoff – was sagt das über deutsch-deutsche Perspektiven aus? Gwendolyn Sasse vom Zentrum für Osteuropa und internationale Studien ist Spezialistin für Russlandansichten in Ost- und Westdeutschland und dröselt die Chose auf.


Und Doreen Reinhard dazu:


Portrait: “Einer für die Ostkurve der Politik”, nd. Der Tag

– Im Zusammenhang mit “Aufbruch Ost” tauchte Philipp Rubach hier im Newsletter schon häufiger auf – nun kandidiert er für die Linke in Sachsen. Kollege Hendrik Lasch hat ihn portraitiert.


Bericht: “Historiker fordern Entschädigung”, nd. Der Tag

– Die mosambikanischen Vertragsarbeiter:innen der DDR, die immer noch für Entschädigung und ihren Lohn kämpfen, erhalten jetzt Unterstützung von einer 100-köpfigen Forschungsgemeinschaft; Sebastian Bähr hat’s aufgeschrieben.


Bericht: “Nach ‘Wessi’-Provokation: Die Linke will ernst geführte Ost-West-Debatte”, mdr.de

– “Nehmt den Wessis das Kommando”, steht auf dem Linken-Wahlplakat in Sachsen-Anhalt – Thomas Vorreyer hat die darauf folgende Debatte hier aufgeschrieben; und einen dpa-Bericht zum Thema gibt’s hier.


Dazu passt auch die Recherche von Markus Decker für den RND, siehe ownsx #33:



Interview: “Ich bin halt so ein Zwischending”, Zeit (+)

– Carolin Würfel hat mit jungen Menschen gesprochen, die in Ostdeutschland aufgewachsen sind, aber westdeutsche Eltern haben.



Kommentar: "Eine Diktatur ist etwas anderes", Süddeutsche Zeitung (+)

– Auch wenn’s meiner Meinung nach kontraproduktiv ist, den “Alles dicht Machen”-Trollos eine Plattform zu bieten, indem man sie auch nur erwähnt – wegen des DDR-Vergleichs, den JJL aufrief dennoch der Kommentar von Cerstin Gammelin, die diesen Vergleich anmaßend findet: “[g]erade bei jemandem, der erlebt hat, was Diktatur ist. Ein Aufruf zum Miteinander wie 1989 wäre dagegen eine feine Sache gewesen.”


Rezension: “Eine deutsche Wiedervereinigung war im Design nie nötig”, NZZ

– “Deutsches Design 1949–1989. Zwei Länder, eine Geschichte”: Die Ausstellung im Vitra Design Museum bei Basel läuft noch bis Anfang September, aber derzeit isse zu, klar: Der NZZ-Text fasst alles zusammen. Und hier gibt’s alle Interviews, Vorträge etc. bei Youtube.


Nachruf: Erasmus Schröter

– “Er nannte es DDR”, Peter Richter / SZ
– “Großleuchten über dem Atlantikwall”, Freddy Langer / FAZ
– “Zum Tod des Leipziger Fotografen Erasmus Schröter”, mdr.de


Neuere Bücher / neuere Rezensionen:

– Günter Schlusche et al.: “Die Mauer als Ressource. Der Umgang mit dem Berliner Mauerstreifen nach 1989”, Ch. Links 2021, 30 Euro.
– Christoph Diekmann: “Woher sind wir geboren. Deutsche Welt- und Heimreisen”, Ch. Links 2021, 22 Euro. (SWR2-Lesenswert-Rezension)
– Jana Hensel, Naika Foroutan: “Die Gesellschaft der Anderen”, Aufbau 2020, 22 Euro. (goethe.de-Rezension)


// Sehen

Doku: “Grüße aus der DDR”, RBB/MDR

– Gewinnspiele im Fernsehen der DDR für West-Zuschauer – der Preis: Urlaub in der DDR. Martina Hiller von Gaertringen hat eine Doku übers Reisen gen Ost gedreht. (Und der großartige Hasso Spode, Leiter des Historischen Archivs für Tourismus an der TU Berlin, ist auch dabei.)



DEFA-Jubiläum: Filmreihe zum 75., MDR

– Im Mai gibt’s Klassiker und Raritäten aus dem DEFA-Archiv, die meisten in der ARD-Mediathek, die anderen bei MDR und RBB. Hier die komplette Sendeliste.


TV-Film: “Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution”, ARD

– Wie mit der Umweltbewegung junger Menschen in Leipzig 1989 alles anfing: Was der Journalist Peter Wensierski 2017 als Buch veröffentlicht hatte (s. auch “Hören”), ist hier nun in Spielfilmfassung erzählt (Andy Fetscher, Thomas Kirchner). Die Reaktionen waren gemischt: “Eventfilm ohne Kontext”, urteilt Andreas Kötzing, der FAZ gefiel’s auch nicht.

Dazu passt auch:

Interview: “Fünf Fragen an Gisela Kallenbach zur Umweltbewegung in der DDR”, Bundesstiftung Aufarbeitung

– Auch die Grünen-Politikerin Kallenbach gehörte schon früh zur oppositionellen Protestbewegung und ist Teil des Zeitzeugenarchivs der BAufarbeitung. Hier 11 Minuten Hintergrund, Historie auch zur Frage, welche Rolle die Umweltgruppen für die “Friedliche Revolution” spielten:

… und auch:

Vortrag: ”Umweltschutz ist keine Einbahnstraße”, Bundeskanzler Willy-Brandt-Stiftung

– Wie liefen die Umweltverhandlungen zwischen BRD und DDR ab zwischen 1970 und 1989? Eine Stunde lang hat Sophie Lange Ende April von den Recherchen ihres Promotionsprojekts berichtet, hier ist die Aufzeichnung bei Youtube.


// Hören

Die Mauerspringer”, DLF (44 Min.)

Feature über eine Freundschaft – und eine irre Grenzgänger-Geschichte: Wie zwei Jungs 1971 von Potsdam mittels Teppichstange nachts über die Mauer nach Westberlin “einbrechen”, bisschen rumstreuen und wieder zurückklettern. Von Dieter Wulf.

Wie der Kalte Krieg in die Literatur kam”, DLF Kultur (55 Min.)

– Beatrice Faßbender und Ulrich Rüdenauer erzählen den Ersten Deutschen Schriftstellerkongress 1947 als “Ost/West-Sollbruchstelle”.


Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution”, 111 km-Akten-Podcast (56 Min.)

– Im Gespräch mit dem Podcast der BStU erzählt Peter Wensierski über sein Buch von 2017, in dem er die Geschichte über die junge Leipziger Umweltbewegung aufdröselt, die sich zur Friedlichen Revolution auswuchs (mehr über die aktuelle TV-Film-Version oben bei “Sehen).


// Machen

Sich in die #ownsx-Austauschbörse eintragen: und zwar hier!

– Das Motto für mehr andere journalistische Perspektiven für alle Redaktionen ist: “Suche Ost, biete West” oder “Suche West, biete Ost”.

Und klar, ne, gerne weitersagen!



Sich bewerben:

– Bei der Stiftung Haus der Geschichte, genauer: um die Dauerausstellungen im Tränenpalast/Kulturbrauerei Berlin und dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig zu überarbeiten. Heißt: Es gibt gleich mehrere Jobs. Mehr hier.

– Und beim MDR: Es gibt 10 Volontariatsstellen. Frist ist der 16.5.

Postsowjetische Lebenswelten kucken:

– Zumindest erst einmal digital – die Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung gibt’s ab 15.9. für Bildungsarbeit, hier eine Vorschau.


// Und der Rausschmeißer

Die Grenze an der Gliniecker:


So. Habe ich was vergessen? Soll was Bestimmtes mit rein?
Dann los: mail @ ostwestnordsuedx.de

Folge 35 des #ownsx-Newsletters erscheint am 17.5.
Kurze Durchsage: Die ersten Schwalben sind da. Zumindest am Brandenburger Nymphensee, kurz hinter Spandau.
Sie können auch alle Newsletter einzeln nachschlagen – hier im Archiv.

Wer sich in die Newsletterliste eintragen will, bittschön, das geht hier:

… und natürlich gerne weitererzählen, danke!

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